Zeit, die einem im hektischen Alltagsgetriebe stets fehlt, ist hier plötzlich im Überfluss vorhanden. Auf einer Hundeschlittentour durch Ostgrönland muss man sich erst an diesen Umstand gewöhnen. Dann spürt man, wie wohltuend es ist, in Ruhe seinen Gedanken nachhängen und durchatmen zu können.
„So – los auf den Schlitten und gut festhalten“, ruft Scoresby, der einheimische Hundeschlittenführer zu Beginn. Und dann saust der Schlitten durch die weiße, unberührte Landschaft und die Häuser von Ittoqqortoormiit werden immer kleiner. Vor mir liegt ein typisch grönländisches Abenteuer.
Ich bin wie die Hunde bereit, Strapazen auf mich zu nehmen, um mit abenteuerlichen Eindrücken nach Hause zurückzukehren.
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Wir sausen über das Eis dahin, denn die Hunde legen sich gewaltig ins Zeug. Der Hundeschlittenführer ruft ihnen schrille Kommandos zu.
In strahlendem Sonnenschein passieren wir Kap Hope, eine verlassene Siedlung. Plötzlich ertönt das Kommando „Anhalten“. Frische Bärenspuren verraten uns, dass wir hier nicht allein sein. Wir folgen den Spuren durch die Siedlung, ohne jedoch einen Eisbären zu Gesicht zu bekommen.
Das meterdicke, spiegelglatte Eis auf dem Hurry Fjord lässt hohes Tempo zu. Dank der Aprilsonne kann das Thermometer auf -5 °C klettern, und das reicht, um ohne Handschuhe und Mütze auf dem Moschusochsenfell des Schlittens zu sitzen. In dem schwarzen Anzug aus Robbenfell schwitze ich sogar!
„Kaffiqarpoq”, sagt Scoresby, und wenig später kocht Wasser auf dem Spirituskocher, um in den Kaffeefilter gegossen zu werden.
Bei der Hütte am Ende des Fjords angekommen, ist es Zeit zum „Futtern“, wobei zuerst die 13 Hunde an die Reihe kommen, bevor wir dran sind. Der Leithund bekommt zuerst etwas, damit Ruhe herrscht.
Während sich die Hunde über das Futter hermachen und anschließend im Schnee ausruhen, kann ich die Atmosphäre der primitiven Hütte, die Jägern als Unterschlupf dient, auf mich wirken lassen. Vom Kocher geht jetzt ein lieblicher Duft nach Suppe (Suassat) aus, die aus Walrossfleisch und Reisgrütze besteht.
Der nächste Tag beginnt mit einer Tasse Kaffee, der aus frisch gefallenem Schnee zubereitet wird. Während die Hunde eingespannt werden, kommt mehr und mehr Wind auf. Bei der Fahrt durchs Tal „Kalkdalen“ kommt der Auslöser des Fotoapparates nicht zur Ruhe, denn hier gibt es schroffe, mit Pulverschnee bedeckte Felszinnen und einen Gletscher. Weiter geht es am Rande des Liverpool Land entlang durch dichtes Schneetreiben.
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Es ist unglaublich, dass sich die Wetterlage so schnell völlig verändern kann. Trotz der geringen Sicht finden die Hunde sicher ihren Weg durch die großen Eisschollen hindurch. Bei diesen Wetterverhältnissen geht es weiter nach Süden, zur Hütte bei Kap Høegh, die man durchaus als luxuriös bezeichnen kann.
Der lärmende Sturm stört den Schlaf nicht, und als wir aufwachen, ist es windstill und die Sonne steht unbeschreiblich strahlend am Firmament. Frische Bärenspuren vor der Hütte und ein umgeworfener Abfalleimer liefern eine teilweise Erklärung für den nächtlichen Lärm.
Auf dem letzten Teil der Strecke stoßen zwei weitere Schlitten zu uns, und in rasender Fahrt geht es einen langen Abhang hinab.
Während ich nach Abschluss der Tour im Gästehaus unter der Dusche stehe, lasse ich die Eindrücke noch einmal Revue passieren, die wohl noch lange nachwirken werden. Dank der erstklassigen, qualifizierten Betreuung durch den örtlichen Veranstalter NANU Travel habe ich ein rundum gelungenes Abenteuer erlebt, an das ich mit Freude und Wohlgefühl zurückdenke.