Von Petrine ”Pitsi” Karolussen
Ich bin in Kangaamiut, einer kleinen Siedlung in Westgrönland (ca. 500 Bewohner), nördlich von Maniitsoq aufgewachsen, wo jeder jeden kennt.Danach treffen sie sich mit den meisten Erwachsenen im Gemeinschaftshaus zum traditionellen Tannenbaumfest. Es beginnt mit einem Weihnachtslied, dann wird aus dem Weihnachtsevangelium vorgelesen und dann folgt ein weiteres, durch den Chor gesungenes Weihnachtslied.
Die Kinder und Jugendlichen, die zuvor Lose gezogen haben, überreichen einander Geschenke. Derjenige, dessen Name auf dem Los steht, bekommt ein Päckchen mit nützlichen Dingen wie Toilettenartikeln, Keksen, Kaffee, Schreibblöcken o. Ä.
Dabei handelt es sich eigentlich um eine alte Tradition aus einer Zeit, als es noch schwierig war, sich mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen.
Schließlich wird vor dem Haus gemeinsam ein Weihnachtslied gesungen und es werden Feuerwerkskörper abgebrannt, die anzeigen, dass das Tannenbaumfest für die Kinder zu Ende ist.
Nach dem Mittagessen führen Schulkinder der 1. bis 8. Klasse nacheinander Szenen aus dem Weihnachtsevangelium auf und jede Klasse singt ein Weihnachtslied. Natürlich sind Eltern und Geschwister als Zuschauer mit dabei.
1. Weihnachtstag (25. Dezember)
An diesem Tag ziehen die Erwachsenen von Haus zu Haus und singen das Weihnachtslied „Maanna Juullisioratta’’ – und das bereits zwischen 5.00 und 5.30 Uhr! Anfangs ist es vielleicht ein Grüppchen von 5 Personen, das jedoch anwächst, sodass zum Schluss viele Menschen unterwegs sind und das Lied in allen Häusern zu hören ist.
Abschließend treffen sich alle am mitten im Ort aufgestellten Weihnachtsbaum und singen gemeinsam ein Weihnachtslied.
Um 8.00 Uhr findet ein Gottesdienst statt, zu dem viele in Festkleidung und grönländischer Nationaltracht erscheinen. Danach verabschiedet man sich mit Handschlag voneinander und zieht an allen Häusern vorbei, um „Frohe Weihnachten“ zu wünschen. Als Dank bekommt man dort einige Süßigkeiten und Kekse.
Der letzte Tag des Jahres wird frühmorgens mit Korkenpistolen „eingeschossen“ und man geht – wie Heiligabend – von Haus zu Haus und bekommt Gebäckfiguren (Mädchenfigur oder Pfeife für Jungen).
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Pitsi Karolussen |
Silvester (31. Dezember)
Am Spätnachmittag findet in der Kirche ein Gottesdienst statt. Danach tun sich alle Bewohner des gleichen Jahrgangs in Gruppen zusammen, um abwechselnd zu Hause zu feiern und zu essen. Eine Gruppe von 12 Personen besucht also in der Regel 12 verschiedene Häuser. Trifft man unterwegs Gruppen anderer Jahrgänge, muss man das betreffende Jahr möglichst laut herausschreien, denn in Grönland spielt das Geburtsjahr eine ebenso große Rolle wie der Geburtsort.
Kurz vor Mitternacht treffen sich alle Erwachsenen, die dazu aufgelegt sind, in der Ortsmitte, singen alte Silvesterlieder, brennen Feuerwerk ab und wünschen sich ein gutes neues Jahr.
Neujahrstag (1. Januar)
An diesem Tag trifft man sich mittags um 12.00 Uhr und wiederholt das Zeremoniell vom Vorabend, damit auch die Kinder daran teilhaben können.
Das sind die wichtigsten Bräuche, die mir einfallen, aber daneben gibt es noch viele andere Dinge, die in dieser Zeit zwischen Weinachten und Neujahr veranstaltet werden.
Ich wünsche allen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!
Pitsi Karolussen